Börsenbericht: Guter Jahresauftakt und Kurskorrekturen – Blickpunkt: Was erwarten Fondsmanager für 2026?

GUTER JAHRESAUFTAKT UND KURSKORREKTUREN

Nachdem die Börsen ein ereignisreiches Jahr vergleichsweise ruhig beendet hatten, suchten die Marktteilnehmer zunächst nach neuen Impulsen.

Das vorherrschende Szenario für 2026 ist das einer robusten bis belebten Konjunktur bei einem günstigen Zinsumfeld. Als die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten dazu passten, sahen sich die Kapitalmärkte in ihrer Erwartung bestätigt. Vor diesem Hintergrund stiegen die Aktienindizes bis Mitte Januar weiter – nicht wenige sogar auf neue Rekordhochs. So überschritt der Euro-STOXX-50 erstmals die Marke von 6.000 Punkten und der DAX den Stand von 25.000 Zählern.

Dann allerdings ließ die Aufwärtsdynamik nach, weil das zuvor als sehr wahrscheinlich geltende Szenario von zwei weiteren US-Leitzinssenkungen zunehmend infrage gestellt wurde. Zudem sorgte US-Präsident Trump mit seinen wiederholten Besitzansprüchen auf Grönland für Unsicherheiten. Eine Übernahme der zu Dänemark gehörenden Insel auch mit militärischen Mitteln schloss er nicht aus. Dann kündigte er hohe Strafzölle gegen acht EU- und NATO-Länder an, die sich seinen Grönlandplänen entgegenstellten. Damit schien Trump seinen eigenen „Zoll-Deal“ mit der EU brechen zu wollen.

Trumps Strafzollankündigung belastete die Aktienmärkte

Die Aussicht auf höhere und gegenseitige Zölle belastete die Aktienmärkte. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos zeigten sich die Europäer aber entschlossen, sich nicht erpressen zu lassen. Zudem trennten sich mehrere institutionelle Großanleger aus skandinavischen Ländern von US-Anleihen. Am Devisenmarkt geriet der US-Dollar unter Druck. Als Trump daraufhin noch in Davos in der Grönland-Frage zurückruderte, reagierten die Kapitalmärkte erleichtert.

Die Aufmerksamkeit richtete sich dann auf die USNotenbank. Deren Leitzins blieb im Januar, wie mehrheitlich erwartet, unverändert. Überrascht wurden die Märkte aber davon, dass US-Präsident Trump den früheren Direktor Kevin Warsh als Nachfolger des im Mai ausscheidenden Fed-Präsidenten Jerome Powell nominierte. Warsh gilt nicht als unkritischer Befürworter einer lockeren Geldpolitik, wie Trump sie einfordert. Mit der Nominierung von Warsh schwächten sich die Erwartungen einer sehr lockeren Geldpolitik ab. Der US-Dollar, der zuvor binnen weniger Tage von 0,86 auf 0,83 Euro gefallen war, beendete seinen Abwärtstrend zumindest vorläufig.

Keine klare Richtung in der anlaufenden Berichtssaison

Die anlaufende Berichtssaison gab den Aktienmärkten insgesamt keine klare Richtung vor. Während das Wachstum der Unternehmensgewinne insgesamt erfreulich blieb, wurden vereinzelte Quartalsberichte mit Enttäuschung und deutlichen Kursverlusten aufgenommen, so bei den großen Softwarekonzernen und jeweiligen Indexschwergewichten Microsoft (USA) und SAP (Deutschland).

Börsenbericht: Guter Jahresauftakt und Kurskorrekturen - Blickpunkt: Was erwarten Fondsmanager für 2026?

Neues Rekordhoch am japanischen Aktienmarkt, Kursverluste bei Staatsanleihen

Die Outperformance des japanischen Aktienmarktes setzte sich zunächst noch fort. Auf die Ankündigung vorgezogener Neuwahlen reagierte die Börse Tokio mit einem Rekordhoch. Der Nikkei-225-Index kletterte Mitte Januar erstmals auf rund 54.300 Punkte. Dann belasteten Pläne der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi, Steuern zu senken und gleichzeitig die Staatsausgaben zu erhöhen, die Kapitalmärkte. Bei japanischen Staatsanleihen kam es zu einem starken Anstieg der Renditen und damit zu hohen Kursverlusten.

Die Preise der Edelmetalle Gold, Silber und Platin setzten ihre Hausse zunächst in einer nochmals beschleunigten Rallye fort. Gold markierte bei 5.599 USDollar je Unze ein neues Rekordhoch, Silber bei 121 US-Dollar und Platin bei 2.923 US-Dollar. Dann lieferte die Nominierung von Kevin Warsh zum nächsten Fed-Präsidenten zumindest einen Anlass für Gewinnmitnahmen, weil von ihm eine Fortsetzung der vernünftigen US-Geldpolitik ungeachtet der Forderungen Trumps erwartet wird. Bei der Korrektur ging der Großteil des Preisanstiegs seit Jahresbeginn wieder verloren.

IM BLICKPUNKT: WAS ERWARTEN FONDSMANAGER FÜR 2026?

Börsenbericht: Guter Jahresauftakt und Kurskorrekturen - Blickpunkt: Was erwarten Fondsmanager für 2026?

Höhere Staatsausgaben und Steuersenkungen als erwartete Stimuli für US-Börsen

Die Weltleitbörsen in New York haben beste Aussichten, auch 2026 zumindest die Richtung vorzugeben. Um die Chancen seiner Partei bei den Zwischenwahlen in diesem Jahr zu erhöhen, dürfte das Trump-Regime mit höheren Staatsausgaben und Steuersenkungen das Wachstum der US-Wirtschaft unterstützen und den privaten Konsum stimulieren.

Dass damit die ohnehin schwindelerregend hohe US-Staatsverschuldung noch schneller steigt, macht allerdings Kapitalmarktexperten zunehmend Sorgen. Bert Flossbach, Gründer und Kopf des erfolgreichen Vermögensverwalters Flossbach von Storch, erklärte auf dem diesjährigen FondsKongress in Mannheim, er sehe bei den US-Schulden den sprichwörtlichen Point of no Return überschritten. Um den Schuldenberg längerfristig bedienen zu können, müsse man mit Maßnahmen der Finanzrepression rechnen. Diese könnten etwa darin bestehen, auf US-Staatsanleihen Zinsen unterhalb der Inflation zu zahlen.

Künstliche Intelligenz sorgt für weitere Kursfantasie

Beim Blick auf die Unternehmen nennen Fondsmanager weiterhin Künstliche Intelligenz (KI) als eines der wichtigsten Themen. Die großen IT-Konzerne planen Investitionen in Höhe von fast einer halben Billion USDollar für den Aufbau leistungsfähiger Rechenzentren. Schon im vergangenen Jahr kamen Sorgen auf, die hohen Investitionen könnten sich nicht amortisieren. Profiteure könnten zunächst die Unternehmen sein, die die Infrastruktur und die Stromversorgung der Rechenzentren bereitstellen.

Immerhin signalisieren Nebenwerte-Indizes wie der Russell-2000 mit ihrem guten Start ins neue Jahr, dass sich der Kursaufschwung nicht nur auf die wenigen großen Tech-Konzerne stützt, sondern am USAktienmarkt an Breite gewonnen hat. Dass der Euro-STOXX-50 im Januar mit plus 2,7 Prozent besser als die meisten US-Aktienindizes abschnitt, werten manche Fondsmanager als Hinweis auf die besseren Chancen an den europäischen Aktienmärkten. Dies müsste dann umso mehr für die japanische Börse gelten, wo der Nikkei-225-Index den Januar mit einem Anstieg um 5,9 Prozent beendete. Europa und Asien punkten mit attraktiven Bewertungen.

Tatsächlich sehen das viele Fondsmanager ähnlich. Mit Blick auf die Bewertungsrelationen erscheinen ihnen US-Aktien insgesamt eher teuer und das Chance- Risiko-Verhältnis in anderen Regionen der Welt besser. So erklärte der scheidende Chef-Fondsmanager der Deutsche Bank Investmentgesellschaft DWS, Klaus Kaldemorgen, auf dem Fondskongress in Mannheim: „Es wird klar, dass die Welt zu viel USAssets hält.“ Kaldemorgen plädiert für eine breitere Diversifizierung – vor allem zugunsten der asiatischen Aktienmärkte. Aber auch in Europa ist die Bewertung der Aktienmärkte grundsätzlich attraktiv. „Ein bisschen Optimismus für Europa macht Sinn“, erklärte beispielsweise bei gleicher Gelegenheit Dr. Jens Ehrhardt, ebenfalls einer der renommiertesten und dienstältesten deutschen Fondsmanager.

Trumps erratische Politik bleibt Belastungsfaktor

US-Präsident Trump bleibt eine Quelle von Unsicherheit. Seine chaotische Zollpolitik und direkte Markteingriffe, etwa die Deckelung von Kreditkartenzinsen, behindern vor allem US-Unternehmen. Auch vor diesem Hintergrund raten andere Fondsmanager dazu, sich nicht an der hohen Gewichtung von US-Wertpapieren in den globalen Indizes zu orientieren, sondern stärker international zu diversifizieren. Dabei sollten Anleger nach Meinung vieler Kapitalmarktexperten insbesondere auch die altbekannten Emerging Markets berücksichtigen. Die Börsen der Schwellenländer sind aussichtsreich in das neue Jahr gestartet. Die volkswirtschaftlichen Daten vieler Schwellenländer haben sich weiter verbessert. Die tendenziell sinkenden Leitzinsen in den USA und der damit schwächere US-Dollar begünstigen Emerging Markets. Für Anleiheinvestoren werden Papiere in den lokalen Währungen zunehmend attraktiver. Bei den attraktiven Branchen wird häufiger der Pharmasektor genannt. Er hat weiteres Aufholpotenzial, zumal neue Medikamente und Übernahmeaktivitäten für Kursfantasie sorgen könnten.

Weiteres Aufwärtspotenzial bei Industrie- und Edelmetallen

Ein Thema werden Industrie- und Edelmetalle bleiben. Zum einen werden Metalle wie Silber und Kupfer verstärkt industriell nachgefragt, zum anderen erfreute sich auch Gold angesichts der Sorgen um den US-Dollar und US-Staatsanleihen eines rasanten Preisanstiegs. Zwar löste die Nominierung von Kevin Warsh zum nächsten Fed-Präsidenten Ende Januar eine weitreichende Korrektur der Edelmetallpreise aus, doch Aktien von Unternehmen aus der Rohstoffund Grundstoffbranche bleiben interessant. Dr. Jens Ehrhardt rät, bei Gold-Aktien investiert zu bleiben, „weil die Wenigsten kapiert haben, wie hoch die Gewinnhebel sind.“ Auch Bert Flossbach sieht Gründe, an Gold-Investments festzuhalten. Und Klaus Kaldemorgen erinnert daran, dass „eine wichtige Gruppe von Goldkäufern wohl nicht verkaufen wird – die Notenbanken.“

 


Quelle: „GUT ZU WISSEN…“ erscheint bei der Drescher & Cie AG, Ettore-Bugatti-Straße 6-14, 51149 Köln. Trotz sorgfältiger Auswahl der von der Drescher & Cie AG als zuverlässig eingestufter Quellen und Informationen kann für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte nicht gehaftet werden. Dies gilt insbesondere für Inhalte, die nicht von der Redaktion der Drescher & Cie AG, sondern von Dritten stammen. Inhalte der Redaktion sind anhand der jeweiligen Kürzel am Ende der redaktionellen Beiträge erkennbar, welche sich auf der Internetseite investmentredaktion.de/redaktion wiederfinden lassen. Die Inhalte der „GUT ZU WISSEN…“ dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie stellen weder eine individuelle Anlageempfehlung noch eine Aufforderung zum Kaufoder Verkauf von Wertpapieren dar. Kein Teil der „GUT ZU WISSEN…“ oder dessen Format darf (auch auszugsweise) ohne die ausdrückliche vorherige schriftliche Zustimmung der Drescher & Cie AG oder ohne eine entsprechende schriftliche Vereinbarung mit der Drescher & Cie AG zur Nutzung der In halte und / oder des Formats der „GUT ZU WISSEN…“ (Nutzungsrecht) reproduziert, nachgedruckt oder sonst vervielfältigt oder verbreitet werden. Jede im Bereich eines gewerblichen Unternehmens hergestellte oder genutzte Kopie (auch auszugsweise) ohne Nutzungsrecht verpflichtet zur Gebührenzahlung an den Verleger. Regelungen zu einem Nutzungsentgelt im Rahmen einer Einräumung eines Nutzungsrechts bleiben unberührt. (c) 2025 Drescher & Cie AG.
Facebook
Twitter
LinkedIn
XING
Telegram
WhatsApp

Hat Ihnen der Blog-Beitrag gefallen?

Melden Sie sich jetzt ganz einfach kostenfrei und unverbindlich an, um regelmäßig Tipps und Tricks rund um Geldanlagen, Finanzen und vielem mehr zu erhalten.

Weitere Beiträge

Blog

Immobilien richtig finanzieren: Worauf Frauen besonders achten sollten

Der Wunsch nach einer eigenen Immobilie ist für viele Frauen ein wichtiger Schritt in Richtung Sicherheit und Unabhängigkeit. Ob zur Eigennutzung, gemeinsam mit einer Partnerin oder einem Partner oder als Kapitalanlage. Gleichzeitig gehört die Finanzierung zu den größten finanziellen Entscheidungen im Leben und sollte gut durchdacht sein.

Weiterlesen