Börsenbericht: Der Iran-Krieg beherrscht die Märkte
Nachdem US-Präsident Trump „das Gefühl gehabt hat, dass der Iran die USA angreifen würde“, griffen die USA und Israel den Iran „präventiv“ an, wie das Weiße Haus erklärte. Der militärisch eskalierende Konflikt löste an den Märkten starke Kursreaktionen aus. Vor allem vom Anstieg der Preise für Erdöl und Erdgas werden negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft befürchtet. Dies dürfte insbesondere der Fall sein, wenn der Krieg länger dauern würde. Anders als beim Zwölf-Tage-Krieg im Juni vergangenen Jahres mit gezielten Angriffen auf das iranische Atomprogramm nahmen diesmal die Sorgen vor einem längeren Krieg rasch zu, weil die Trump-Regierung einen planlosen Eindruck machte. Ein langanhaltender Preisanstieg bei fossilen Energieträgern würde die Inflation wieder steigen lassen, womit sich eine Lockerung der Geldpolitik verbieten würde, auch wenn sie im Hinblick auf Konjunkturrisiken angebracht wäre.
Ölpreis schießt weltweit in die Höhe
Die Entwicklung belastete zeitweilig die asiatischen Märkte stärker, weil die Region von Ölimporten aus der Golfregion abhängig ist. Der Preisanstieg auf dem Weltmarkt macht sich allerdings auch dort bemerkbar, wo man nicht auf Öl aus dem Persischen Golf angewiesen ist, wie etwa in den USA. So schoss der Preis für ein Barrel der nordamerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) von unter 70 US-Dollar auf über 100 US-Dollar, als es zur Ausweitung des Iran-Krieges auf Öl- und Gasanlagen und zu Angriffen auf Öltanker in der Straße von Hormus kam. Der Preis für ein Barrel der europäischen Ölsorte
Ölsorte West Texas Intermediate durchbricht 100-Dollar-Marke
Vom Preisanstieg profitierten zwar Aktien aus der Energiebranche, so der im Dow Jones enthaltene Ölkonzern Chevron und im EURO STOXX 50 der französische Ölkonzern Total. Dies milderte die Kursverluste bei den Aktienindizes aber nur wenig.
Der Dow Jones, der im Februar sein bisheriges Rekordhoch bei 50.512 Punkten markiert hatte, verlor bis zum Ende der dritten Kriegswoche rund 10 Prozent auf 45.369 Zähler. Etwas besser hielt sich der S&P 500-Index für US-Aktien, der von seinem Hoch bei 7.002 Punkten bis auf 6.474 Zähler fiel. Auch der noch stärker von Technologie-Aktien geprägte NASDAQ-100-Index konnte sich der allgemeinen Schwäche nicht entziehen und verlor vom Rekordhoch aus rund 10 Prozent.
Starke Kursverluste bei Indizes in den USA, Europa und Asien
Der Leitindex der Eurozone, der EURO STOXX 50, hatte erst Ende Februar ein neues Rekordhoch bei 6.200 Punkten erreicht, brach aber in Reaktion auf den Iran-Krieg stärker ein. Zum Auftakt der vierten Kriegswoche fiel der Index vorübergehend auf 5.377 Zähler – gegenüber dem Rekord ein Rückgang um 13 Prozent. Ähnlich reagierte der Deutsche Aktienindex DAX, der sich Ende Februar gerade dem Rekordhoch vom Januar bei rund 25.000 Punkten näherte, als der Angriff auf den Iran erfolgte. Am ersten Handelstag der vierten Kriegswoche unterschritt der DAX zeitweise 22.000 Zähler.
Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen bewegt sich in Richtung 4,0 Prozent
Als Trump, der kurz zuvor dem Iran noch mit einer Eskalation der Angriffe gedroht hatte, den Verzicht auf solche Angriffe erklärte, unterbrachen die Märkte ihre Abwärtstrends zumindest. „Trump always chickens out“: „Trump macht immer einen Rückzieher“ ist als Akronym TACO an den Börsen schon ein bekanntes Phänomen. In der Hoffnung auf eine Deeskalation fiel der Ölpreis um rund 15 Prozent, sodass ein Barrel der Sorte Brent statt 115 schließlich noch 97 US-Dollar kostete, und die Aktienmärkte erholten sich etwas. Allerdings wurde schnell deutlich, dass etwaige Verhandlungspositionen sehr weit auseinanderlagen, wobei der Iran dementierte, dass die von Trump behaupteten Verhandlungen überhaupt stattfinden.
Japan, Indien und Südkorea gehören zu den Volkswirtschaften, die besonders stark von Öl- und Gaseinfuhren aus dem Persischen Golf abhängig sind. Die Kursverluste lagen aber in der gleichen Größenordnung wie an der Wall Street und in Europa: Der Nikkei 225 hatte ebenfalls Ende Februar ein Rekordhoch erreicht. Von dort, bei 58.740 Punkten, fiel der japanische Aktienindex bis auf 51.542 Zähler zurück, also rund 12 Prozent. Ähnlich traf es den indischen Leitindex, den BSE Sensex, der damit alle Zuwächse seit dem US-Zoll-Schock im April des Vorjahres verlor.
Prozentual höher fiel der erste Kursrückschlag an der Börse von Südkorea aus, wo der Korea Composite Stock Price Index, kurz KOSPI, rund 20 Prozent verlor. Allerdings war es dort in den Wochen und Monaten zuvor auch steil aufwärts gegangen, sodass nur die Kursgewinne aus dem Februar wieder verloren gingen. Nach einer Stabilisierung des Kursniveaus waren die Kursverluste dort nicht mehr höher als an den westlichen Aktienmärkten und gegenüber dem Jahresbeginn ergibt sich bei koreanischen Aktien weiterhin ein Gewinn.
Renditeanstieg an den Anleihemärkten …
Auch an den Anleihemärkten löste der Krieg Kursverluste aus. US-Staatsanleihen hatten sich im Februar gerade so weit erholt, dass ihre Rendite wieder knapp unter 4,0 Prozent gesunken war, als der Angriff auf den Iran zu starken Verkäufen von USStaatsanleihen führte. Deren Rendite stieg daraufhin auf 4,4 Prozent. An den Devisenmärkten reagierte die US-Währung auf die Aussicht auf höhere US-Zinsen; der Wechselkurs des Dollars stieg von knapp 0,85 auf gut 0,87 Euro.
… und ein fallender Goldpreis durch veränderte Zinserwartungen
Gold konnte seinem Ruf als Krisenprofiteur nicht entsprechen. Die Preise von Edelmetallen litten unter den veränderten Zinserwartungen. Höhere Zinsen machen die zinslosen Edelmetalle relativ gesehen weniger attraktiv. Der Goldpreis rutschte von rund 5.400 US-Dollar pro Unze Anfang März im Laufe des Monats auf rund 4.500 US-Dollar ab.
Blickpunkt: Gold und Silber enttäuschen
Edelmetalle gelten vielen Anlegern als mögliches Krisen- Investment. Doch infolge des Iran-Kriegs sind die Preise von Gold, Silber und Platin nicht etwa gestiegen, sondern zur Überraschung vieler sogar stärker gefallen.
In einer ersten Reaktion auf die israelischen und amerikanischen Angriffe auf den Iran gaben Gold, Silber und Platin zunächst ungefähr ihre Vorwochengewinne wieder ab. Das waren bei Silber und Platin jeweils rund 10 Prozent, während es beim Gold gut 3 Prozent waren. Dies zeigt bereits, dass eher kurzfristig orientierte Anleger eine Rolle bei den Kursrückgängen der Edelmetalle spielen. Bei einer typischen Risk-off-Reaktion erhöhen Anleger Cash-Reserven durch Verkäufe von den Assets, die zuvor stärker gestiegen sind.
Verkaufsdruck durch Momentum-Käufer von ETFs und ETCs
Die hohen Kursgewinne im Vorjahr, die sich im vierten Quartal 2025 bis in den Januar dieses Jahres hinein beschleunigt hatten, hatten zu umfangreichen Käufen von Anlegern bei Gold und Silber geführt. Hier traten vor allem Momentum-Käufer auf, die auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends setzten und überwiegend „Papier-Gold“ gekauft haben, also keine physischen Barren oder Münzen, sondern besser handelbare ETFs und ETCs, die an die Edelmetallpreise gekoppelt sind. Wie schon bei den Kursausschlägen Ende Januar kam der Verkaufsdruck im März zu großen Teilen von dieser Seite. An den Märkten für physische Edelmetalle herrschte dagegen weiterhin eher eine Knappheit, die mittelfristig für stabilere bis steigende Preise sorgen sollte.
Ein steigender Ölpreis macht nicht nur die direkt aus Rohöl erzeugten Produkte wie Benzin, Diesel und Heizöl teurer, sondern mit etwas Verzögerung alle Waren, bei denen die Transportkosten einkalkuliert werden müssen – und das sind die meisten. Hatten die Märkte zu Beginn des Jahres noch fest damit gerechnet, dass im Laufe dieses Jahres die Leitzinsen gesenkt werden könnten, ist diese Erwartung durch den Iran-Krieg inzwischen ins Gegenteil umgeschlagen. Nun werden statt Zinssenkungen in den kommenden Monaten sogar Zinserhöhungen erwartet.
Edelmetalle leiden unter höheren Zinsen
Mit höheren Zinsen werden verzinsliche Anlagen vordergründig attraktiver. Und damit verlieren Edelmetalle in den Augen vieler Investoren an Attraktivität. Während Kontoguthaben und verzinsliche Wertpapiere mehr Ertrag bringen, fallen die fehlenden Zinseinnahmen bei der Edelmetallanlage dann stärker ins Gewicht. Auch der steigende US-Dollar ist ein klassischer Gegenspieler zum Goldpreis. Seit Ausbruch des Krieges ist der US-Dollar allein gegenüber dem Euro um rund drei Prozent und die laufende Verzinsung von zehnjährigen US-Staatsanleihen von unter 4 Prozent auf 4,4 Prozent gestiegen. Dies liefert Anlegern Gründe für einen Abbau ihrer Edelmetall- Investments.
Ob daraus aber weitreichende Abwärtstrends werden, ist zu bezweifeln. Zum einen sprechen höhere Inflationsgefahren eher für als gegen Edelmetalle. In Konkurrenz zu den Zinsen ist letztendlich die Differenz zwischen Inflation und erzielbaren Nominalzinsen entscheidend, der sogenannte Realzins. Wenn die erzielbaren (Nominal-)Zinsen stärker steigen als die Inflation, es also einen steigenden positiven Realzins gibt, dürfte das die Preise von Edelmetallen weiter belasten. Dies ist aber weniger wahrscheinlich, als dass der Realzins sinkt oder sogar negativ wird.
Steigende US-Staatsschulden erhöhen die Gefahr einer finanziellen Repression
Die Staatsschulden steigen weiter, insbesondere auch in den USA, obwohl Trump genau das Gegenteil versprochen hatte. So haben die angekündigten Einsparungen im Staatshaushalt nicht stattgefunden. Schon die erste Woche im Iran-Krieg kostete die USA über 100 Milliarden US-Dollar. Kriegsminister Hegseth beantragte weitere 200 Milliarden, um den Krieg fortsetzen zu können. Und Importeure fordern etwa 175 Milliarden US-Dollar zu Unrecht erhobener Trump- Zölle zurück. Das lässt das Szenario einer sogenannten finanziellen Repression erwarten. Dabei liegen die Zinsen auf Staatsanleihen unter der Inflationsrate. Versicherungen, Pensionskassen und neuerdings auch die Anbieter von Stablecoins werden gesetzlich verpflichtet, den größten Teil ihres Deckungskapitals in Staatsanleihen anzulegen. Notfalls werden Staatsanleihen schließlich von der staatlichen Notenbank gekauft.
Vor diesem Hintergrund dürften Edelmetall-Investments mittel- und langfristig als Depotbeimischung attraktiv bleiben.





