Börsenbericht: Alte und neue Sorgen – Blickpunkt: KI-Verlierer

Börsenbericht: Alte und neue Sorgen - Blickpunkt: KI-Verlierer

Börsenbericht: Alte und neue Sorgen

Sorgen um die hohen Kosten und Auswirkungen Künstlicher Intelligenz (KI) belasteten auch im Februar die Aktienmärkte. An der Wall Street setzten sich Umschichtungen aus Technologie-Aktien in eher traditionelle Geschäftsmodelle fort. So stieg der Börsenwert des US-Einzelhandelsriesen Walmart erstmals über eine Billion US-Dollar und schloss damit zur Bewertung der „glorreichen Sieben“ auf. Enttäuschende Quartalsberichte sorgten vereinzelt für hohe Kursverluste, so beim Zahlungsdienstleister Paypal. Auch die Aktien der sogenannten Hyperscaler Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta standen unter Verkaufsdruck. Sorgen der Anleger drehen sich weiterhin um die Frage, ob und wann sich ihre hohen Investitionen in KI-Rechenzentren amortisieren.

Neuer Rekordstand beim Dow Jones

Der Dow Jones mit seinem höheren Anteil Old Economy kletterte zur Monatsmitte auf einen neuen Rekord bei 50.512 Punkten. Der für den Gesamtmarkt repräsentativere S&P-500-Index blieb dagegen knapp unter seinem im Januar aufgestellte Rekordhoch. Der von den großen Technologie-Konzernen geprägte Nasdaq-100-Index entfernte sich sogar weiter von seinem Rekordniveau, wenngleich der übergeordnete Aufwärtstrend auch in diesem Fall intakt blieb.

Im Monatsverlauf belasteten auch Hinweise der US Notenbank auf mögliche Inflationsrisiken und die Gefahr einer Eskalation zwischen den USA und Iran die Aktienmärkte. Von den veröffentlichten volkswirtschaftlichen Daten und Unternehmensnachrichten gingen insgesamt keine klaren Richtungsimpulse aus. Auch die kurz vor dem Monatsende veröffentlichten sehr guten Quartalsergebnisse des führenden KI-Chip-Anbieters Nvidia führten weder bei der Aktie selbst noch am Gesamtmarkt zu Kursgewinnen. Eine negative Überraschung hätte wahrscheinlich einen Kursrutsch auslösen können.

Eher gelassen reagierten die Märkte auf das neuerliche US-Zollchaos. Der Oberste Gerichtshof der USA urteilte, dass die vielen von Präsident Trump per Notstandsgesetz verhängten Zölle rechtswidrig sind. Die Hoffnungen für den Welthandel blieben aber klein, weil Trump umgehend ankündigte, das Gerichtsurteil zu umgehen. Er verhängte einfach neue Zölle.

Europäische Aktienmärkte setzen Aufwärtstrends fort

An den europäischen Aktienmärkten setzten sich die Aufwärtstrends im Februar fort. Der Euro-STOXX-50 näherte sich erstmals bis auf wenige Punkte der Marke von 6.200 Zählern. Zu den Börsen mit höheren Kursgewinnen zählte Paris, wo der französische Leitindex CAC-40 neue Rekordhöhen über 8.600 Punkte erreichte. Der Deutsche Aktienindex DAX, seit September 2021 auch 40 Aktien umfassend, tat sich dagegen schwerer und blieb in der Nähe der 25.000-Punkte-Marke und unter seinem Rekord aus dem Januar. Das DAX-Schwergewicht SAP stabilisierte sich zwar nach den Kursverlusten der Vormonate, zeigte aber noch keine Kurserholung.

Französischer CAC-40 erreicht neue Rekordhöhen

Französischer CAC-40 erreicht neue Rekordhöhen

Der japanische Aktienmarkt setzte seine Outperformance im Februar fort. Er profitierte dabei vom Wahlsieg der Liberaldemokratischen Partei (LDP) unter Premierministerin Sanae Takaichi bei den vorgezogenen Neuwahlen. Der Nikkei-225 kletterte kraftvoll auf neue Rekordhöhen über 58.000 Zähler. Die LDP-Regierung kündigte Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft an, was am Aktienmarkt positiv, am Anleihemarkt aber negativ aufgenommen wurde, weil die Maßnahmen mit neuen Staatsschulden finanziert werden sollen.

Nachdem US-Staatsanleihen zunächst darunter gelitten hatten, dass chinesische Banken ihre hohen Bestände etwas reduzierten, erholten sich Treasury- Bonds im Monatsverlauf deutlich. Dadurch fiel die Rendite von US-Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit von über 4,25 Prozent unter 4,05 Prozent.

Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen bewegt sich in Richtung 4,0 Prozent

Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen bewegt sich in Richtung 4,0 Prozent

Kursverfall bei Kryptowährungen

An den Devisenmärkten zeigten die wichtigsten Währungen relativ wenige Veränderungen. Der US Dollar pendelte sich gegenüber dem Euro um 1,18 US-Dollar je Euro ein. Auffallend schwach zeigten sich Kryptowährungen. Der Bitcoin fiel kurzzeitig knapp unter 60.000 US-Dollar und damit auf den tiefsten Wert seit 2024. Bei anderen Kryptowährungen war der Kursverfall noch dramatischer. Dagegen stabilisierten sich die Preise der Edelmetalle im Februar, nachdem es Ende Januar zu einer heftigen Kurskorrektur gekommen war. Zwar blieben Gold, Silber und Platin unter ihren Rekordhochs aus dem Januar, zeigten aber im Monatsverlauf wieder eine positive Tendenz innerhalb ihrer intakten übergeordneten Aufwärtstrends.

Im Blickpunkt: Was erwarten Fondsmanager für 2026?

Im Blickpunkt: Was erwarten Fondsmanager für 2026?

Künstliche Intelligenz, kurz KI, war monatelang ein Kurstreiber an den Aktienmärkten. Insbesondere viele US-Aktien galten als Gewinner des rasanten technischen Fortschritts in diesem Bereich. Allerdings erfordert KI enorme Rechenkapazitäten – und der Aufbau der neuen Rechenzentren kostet Hunderte von Milliarden Dollar. So sind nachvollziehbare Zweifel aufgekommen, ob die vier großen Hyperscaler Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta wirklich zu den Gewinnern zählen werden. Auch die De facto- Monopolisten unter den Technologie-Zulieferern wie ASML und Nvidia bergen angesichts ihrer hohen Bewertungen Risiken. Schon seit Monaten wird deshalb über eine mögliche KI-Blase spekuliert.

KI produziert potenzielle Gewinner wie die Hyperscaler und Technologie-Zulieferer…

Doch die Überlegungen drehen sich nicht nur um die potenziellen Gewinner der künstlichen Intelligenz. Zuletzt verkauften Anleger in großem Stil Aktien von Unternehmen, bei denen sie die Gefahr sehen, dass KI-Tools deren Geschäftsmodelle gefährden. Al-Scare-Trade nennt das die Wall Street. Wie bei jeder technischen Revolution gibt es unter den Unternehmen also nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. Als Verlierer gilt vor allem die Software-Branche, denn die Nutzung von Online-KI könnte Softwarelösungen verdrängen. Wenn durch KI die Zahl der Arbeitsplätze sinkt, sinkt damit auch die Zahl der abzurechnenden Software-User. Und KI kann Software programmieren – schneller und zu einem Bruchteil der Kosten. Mit KI-Entwicklungstools können Firmen eigene Inhouse-Lösungen selbst bauen. „KI ist real, die Divergenz ist real und der Ausverkauf im Software- Bereich ist sinnvoll, da KI dazu führen wird, dass das Programmieren an Bedeutung verliert“, erklärte dazu Christopher Forbes vom Finanzdienstleister CMC Markets. Zu den Gewinnern zählt er Chiphersteller, Rechenzentren und die Energiebranche. Der größte US-Software-ETF hat dagegen seit Jahresbeginn mehr als ein Viertel seines Wertes verloren.

…und mögliche Verlierer wie die Software-Branche

Aktien von Software-Anbietern wie Adobe, Salesforce oder Workday verloren noch mehr. Felix Gode von Alpha Star Management schreibt dazu: „Teilweise gab es Rückgänge von 20 bis 50 Prozent, ohne dass dies die derzeitigen Fundamentaldaten rechtfertigen würden.“ Der Markt preise dabei die Annahmen ein, dass Software durch KI leichter zu entwickeln, daher weniger wertvoll sei und dass Preise für Softwarelösungen nicht aufrechterhalten werden könnten. Diese Narrative griffen jedoch in vielen Fällen zu kurz.

Während Commodity-Software austauschbar werde, könnten „Mission-kritische Systeme mit Datenhoheit und Integrationstiefe“ ihren Burggraben durch KI sogar ausbauen. Er appelliert, in der Software-Branche differenziert zu investieren und die Übertreibungen langfristig zu nutzen. Das sieht Andre Köttner, Fondsmanager der insgesamt 25 Milliarden schweren Aktienfonds DWS Vermögensbildungsfonds I und DWS ESG Akkumula, ähnlich: „So seltsam es vielleicht klingen mag: Unter den vermeintlichen KI-Verlierern gibt es momentan vielleicht die interessantesten Werte.“

Verkaufsdruck auch im Transportsektor durch neues KI-Tool

Unlängst wurden auch Aktien von Unternehmen im Transportsektor verkauft, weil das kaum bekannte KI-Unternehmen Algorhythm Holdings, Inc. ein KI-Tool vorstellte, das „das Frachtmanagement von einem arbeitsintensiven, manuellen Prozess in ein hochautomatisiertes, intelligentes System verwandelt“ und somit eine „vierfache Steigerung der Arbeitsproduktivität“ ermögliche. Aktien von Logistikwerten wie Maersk, UPS, DSV und Kühne + Nagel verzeichneten daraufhin hohe Kursverluste. Allerdings stellt sich auch hier die Frage, ob solche Unternehmen nicht eher KI-Gewinner statt -Verlierer sein werden. Schließlich transportiert künstliche Intelligenz Waren nicht selbst von A nach B. Dafür werden auch im KIZeitalter Fahrzeuge, Frachtflugzeuge und Schiffe eingesetzt.

Angst vor KI-Disruption erreicht surreale Eskalationsstufe

Aber noch herrscht an den Börsen der AI-Scare-Trade. Als unlängst ein Blogpost der kleinen Research- Firma Citrini mit mehreren Millionen Aufrufen auf der Plattform X ein düsteres Szenario für die US-Wirtschaft durch den breiten Einsatz von künstlicher Intelligenz zeichnete, kam es wieder zu Kursverlusten. „Die Angst vor einer KI-Disruption hat an den US-Börsen eine neue, fast schon surreale Eskalationsstufe erreicht“, schrieb darauf Stephan Kemper, Investmentstratege bei BNP Paribas. Zu den Fondsmanagern, die in den Kursverlusten eine klare Übertreibung sehen, gehört auch Peter Frech von QUANTEX: „Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass der Markt hier einigen Halluzinationen aufsitzt, für die ironischerweise ein LLM-KI-Sprachmodell (Large Language Model) bekannt ist. Wenn das KI-Modell gerade keine exakt passende Antwort findet, kleistert es sich eine stimmige Story zusammen. Oder eine, von welcher es glaubt, dass der Benutzer sie gerne hören möchte. Offensichtlich hören die Anleger derzeit gerne Stories davon, wie mit KI alles ganz anders werden wird.“

 


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