Börsenbericht: Aktien, Gold, Bitcoin besser, Anleihen schlechter
Aktienmärkte trotz geopolitischer Belastungen stabil
Zunächst wurden mehrfach Hoffnungen auf eine Befriedung im Nahen Osten enttäuscht. Die Trump-Regierung kündigte Anfang August wieder eine bevorstehende Verhandlungslösung im Iran-Krieg an, was die Märkte zwischenzeitlich positiv aufnahmen. Aber die 60-Tage-Frist des Rahmenabkommens mit dem Iran lief ergebnislos ab und die Äußerungen Trumps zum Iran-Krieg blieben irritierend. So drohte er dem bisherigen US-Verbündeten Oman mit einer massiven Bombardierung und kündigte an, die Straße von Hormus zu US-Territorium zu erklären. Obwohl Trump erklärte, die Straße von Hormus sei vollständig unter US-Kontrolle, kam es mehrfach dort zu Angriffen auf Handelsschiffe. Der im Laufe des Augusts wieder steigende Ölpreis verstärkte Sorgen um höhere Inflation und Zinsen.
Die Börsen reagierten ernüchtert auf die immer wieder enttäuschten Ankündigungen einer Verhandlungslösung im Krieg der USA gegen den Iran. Die Aktienmärkte stützten sich lieber auf die weiter steigenden Unternehmensgewinne, die für das zweite Quartal gemeldet wurden. Bei Aktien der Mikrochip-Branche löste erwartete Konkurrenz aus China hohe Kursschwankungen aus. Geschäftsergebnisse von Microsoft wurden dann aber als positives Signal für die Themen Künstliche Intelligenz und Cloud Computing gewertet. Bei einer Reihe von US-Technologieaktien aus der zweiten Reihe wurden Geschäftsergebnisse dagegen mit Enttäuschung und Kursverlusten aufgenommen. Dass sich der US-Arbeitsmarkt deutlich schwächer als erwartet entwickelte, dämpfte die Sorgen um mögliche Zinserhöhungen.
Dow Jones Industrial Average und S&P-500-Index erreichten in den ersten Augusttagen neue Rekordhochs bei 54.744 bzw. 7.816, während die Erholung beim Nasdaq-100-Index zwar bis gut 30.000 Punkte führte, aber nicht ganz die Rekordhochs von Anfang Juni bei 30.762 erreichte. Insgesamt entstand der Eindruck, dass die weiterhin intakten übergeordneten Aufwärtstrends bei US-Aktien etwas an Dynamik verloren haben.
Die europäischen Aktien machten es den US-Standardwerten nach. So kletterten der Euro-STOXX-50 und zahlreiche nationale Aktienindizes wie der deutsche DAX, der französische CAC-40, der schweizerische SMI und der italienische FTSE MIB auf neue Rekordhochs.
Dow Jones Industrial Average mit neuen Rekordständen
Anleihemärkte geraten unter Druck
Die US-Notenbank FED beließ ihre Leitzinsen unverändert. Das war zwar mehrheitlich erwartet worden, verschlechterte aber die Stimmung am Anleihemarkt. Dahinter standen Sorgen, dass die FED den Inflationsdruck durch den Krieg mit dem Iran und die steigenden Ölpreise nicht eindämmen könne. Hinzu kam die Nachricht von steigenden US-Staatsschulden schneller als erwartet. Daraufhin erlitten Anleihen deutliche Kursverluste. Neben US-Staatsanleihen waren auch solche europäischer Staaten, Japans und Südkorea betroffen. Die 30-jährige US-Staatsanleihe erreichte mit 5,33 Prozent die höchste Rendite seit 2007, die Rendite der entsprechenden 30-jährigen deutschen Bundesanleihe kletterte mit 3,78 Prozent auf einen neuen Höchststand seit 2011. Französische Zinspapiere näherten sich der Marke von fünf Prozent. Das US-Finanzministerium stoppte mit einer Ausweitung seiner Anleiherückkäufe den Renditeanstieg der wegweisenden zehnjährigen US-T-Bonds bei 4,75 Prozent. Ob damit aber der seit März bestehende recht steile Abwärtstrend der Anleihekurse gebrochen werden kann, werden erst die kommenden Monate zeigen.
Bewegung an den Devisenmärkten
Nachdem sich an den Devisenmärkten im Juli der Abwärtstrend des japanischen Yen bis 164 Yen pro US-Dollar fortgesetzt hatte, intervenierten die USA und Japan Anfang August gemeinsam, um die Abwertung der japanischen Währung zu beenden. Binnen weniger Tage stabilisierte sich der Yen, blieb mit Wechselkursen zwischen 156 und 160 aber in der Nähe der Rekordmarke von 164 Yen. Gegen den Euro zeigte sich der US-Dollar dagegen im August schwächer: Hatte der Wechselkurs im Juli noch bei 1,14 Dollar pro Euro gependelt, mussten im August in der Spitze 1,17 Dollar für einen Euro gezahlt werden. Anders als der japanische Yen blieb dieses Devisenpaar damit in der schon seit rund einem Jahr geltenden Bandbreite (von 1,13 bis 1,20 USD/EUR).
Japanischer Yen stabilisiert sich nach Intervention
Gold und Kryptowährungen profitieren
Auf die Interventionen des US-Finanzministeriums an den Anleihemärkten reagierten Edelmetalle und Kryptowährungen mit steigenden Kursen. Zum einen lassen niedrigere Renditen für Anleihen diese attraktiver erscheinen. Sollten die USA gleichsam die Gelddruckmaschinen wieder im großen Stil anwerfen, dürfte dies auch längerfristig den Alternativen zur Papierwährung zugutekommen. Der Goldpreis, der im Juni und Juli bei rund 4.000 Dollar pro Unze einen Boden gefunden hatte, stieg bis rund 4.700 Dollar.
Kryptowährungen profitierten auch von politischen Verlautbarungen. Trump versprach, digitale Vermögenswerte zu stärken, u.a. mit einer Verabschiedung des Krypto-Regulationswerks „Clarity Act“. Außerdem versprach er wieder, dass die USA den Aufbau einer staatlichen Bitcoin-Reserve prüfe. Der Bitcoin-Wechselkurs sprang binnen weniger Tage um fast 25 Prozent von unter 65.000 auf rund 80.000 US-Dollar. Der Stimmungsumschwung erfasste auch weitere Kryptowährungen, darunter die nach Marktkapitalisierung zweitgrößte Blockchain-Währung von Ethereum.
Im Blickpunkt: Wer muss sich Sorgen machen?
40 Billionen Dollar Schulden
Dass Staaten Schulden machen, ist weder ein neues noch verwunderliches Phänomen. Wenn ein Staat in einem Jahr mehr Geld ausgibt, als er durch Steuern einnimmt, entsteht ein Haushaltsdefizit. Um diese Lücke zu schließen, leiht sich der Staat Geld. Das tut er meistens, indem er Wertpapiere wie Staatsanleihen verkauft. Staatsanleihen gelten unter allen Wertpapieren als die größte Asset-Klasse – vor Aktien. Und kein zweiter Staat hat so viele Anleihen ausgegeben wie die USA. Noch schneller als befürchtet erreichten in diesem Monat die Staatsschulden der USA die Marke von 40 Billionen, also 40.000 Milliarden Dollar. Die Schuldenquote liegt bei 123 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, entsprechend also rund 15 Monaten der gesamten Wirtschaftsleistung der ganzen Volkswirtschaft. Allein die Zinsen dafür erreichen in diesem Jahr eine Billion Dollar, danach Jahr für Jahr mehr.
Wer finanziert die USA?
Wer hat den USA so viel Geld geliehen? Zu den Gläubigern der USA gehören viele andere Staaten, oft deren Zentralbanken und Geschäftsbanken. Japan gilt als größter Gläubiger der USA mit 1,115 Billionen US-Dollar, gefolgt von Großbritannien mit 939,9 Milliarden. China, das fälschlicherweise oft als größter Geldgeber genannt wird, rangiert mit 633,4 Milliarden US-Dollar nur noch auf Platz drei. Peking hat seine Bestände in den vergangenen Jahren bereits kontinuierlich abgebaut. In Summe halten ausländische Staaten und Investoren rund ein Drittel der ausstehenden US-Staatsanleihen.
Rund zwei Drittel der US-Staatsanleihen werden von US-Institutionen und US-Investoren gehalten, darunter Pensionsfonds, Versicherungen, Investmentfonds und Geschäftsbanken in den USA. Viele Privatanleger sind damit indirekt in Staatsanleihen investiert. Zunehmende Risiken stecken aber in dem Umstand, dass sich der US-Staat immer mehr Geld bei sich selbst leiht: bei den eigenen Sozialkassen und der eigenen Zentralbank. Bis Mitte 2022 waren die Bestände der Federal Reserve Bank („Fed“) an Staatspapieren auf 5,8 Billionen Dollar angewachsen. Diese eigentlich nur als vorübergehend vorgesehene Position konnte bis ins erste Halbjahr dieses Jahres nur auf rund 4,3 Billionen Dollar abgebaut werden. Die Politik der Trump-Regierung lässt befürchten, dass die Fed schon bald wieder als Anleihekäufer agieren muss.
Schuldenpolitik wird zunehmend riskanter
Als Donald Trump seine zweite Amtszeit antrat, sprach er von „maßlosen Staatsausgaben“, die er eindämmen werde. Dass auch dieses Wahlversprechen keine Umsetzung erlebte, dürfte nicht überraschen, denn niemand anderer als Trump selbst hatte mehr zu diesen „maßlosen Staatsausgaben“ beigetragen: 7,8 Billionen Dollar neuer Schulden häufte Trump in seiner ersten Amtszeit an – bis dahin ein absoluter Rekord unter allen US-Präsidenten in der Geschichte. In seiner zweiten Amtszeit scheint die zügellose Schuldenorgie beschleunigt weiterzugehen. Gründe sind Steuersenkungen für Unternehmen und Reiche, der sehr teure Iran-Krieg und die chaotische Zollpolitik.
Jüngst ging von den USA eine Verlustwelle bei Staatsanleihen aus, die rund um den Globus schwappte. Das US-Finanzministerium kündigte darauf zur Stützung des Marktes an, mindestens doppelt so viele Staatsanleihen mit Laufzeiten von zehn bis 30 Jahren zurückkaufen zu wollen, als ursprünglich geplant. Eine kurzfristige Maßnahme, die das eigentliche Problem womöglich noch vergrößert. Natürlich darf ein Staat seine eigenen langfristigen Schulden vorzeitig zurückkaufen – aber die US-Regierung hat das Geld dafür nicht. Sie leiht es sich, indem sie umso mehr kurzfristige Schulden macht. Damit wird die Finanzierungsstruktur der US-Schulden zunehmend riskanter. Denn nicht nur die absolute Höhe der US-Staatsschulden ist schwindelerregend, auch die Schuldenstruktur wird anfälliger: Schon 22 Prozent der US-Staatsschuld hat das Finanzministerium über kurzlaufende Anleihen finanziert, sogenannte T-Bills. Die laufen einen Monat bis zu einem Jahr und zahlen etwa 3,7 bis 4,0 Prozent Zinsen pro Jahr – gegenüber 4,7 Prozent bei zehnjährigen Treasuries und gut fünf Prozent bei dreißigjährigen. Kurzfristig spart die Ausgabe von T-Bills also Zinsen. Steigen diese aber, muss das Finanzministerium laufend teurer refinanzieren.
Vom Versprechen solider Staatsfinanzen durch Trump ist nicht viel übrig geblieben. Er sorgte dagegen jüngst für neue Irritationen. Auf eine Frage zu den steigenden Renditen von US-Staatsanleihen sagte Trump: „Wir haben viele Arten der Intervention. Die ultimative Intervention ist unser Militär. Und wenn wir es einsetzen müssen, werden wir es tun.“ Wie ein Militäreinsatz gegen steigende Zinsen funktionieren soll, blieb allerdings sein Geheimnis.
Was bedeutet das für Anleger?
Auch europäische Anleger sind vor dem Hintergrund der Entwicklung gut beraten, die Abhängigkeiten von US-Staatsanleihen und dem US-Dollar im Auge zu behalten. Im Rahmen einer breiten Risikostreuung können Aktieninvestments, Sachwerte und Edelmetalle vor diesem Hintergrund eine wichtige Rolle spielen.
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